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TÜÜNSTEDTER GESCHICHTEN
aufgeschrieben und berichtet vom kleinherzogtümlichen Hofberichterstatter Rollo von Tüünstedt



! ! ! --- WARNUNG, DIES WIRD 'NE LANGE GESCHICHTE --- ! ! !

Am Besten schalten Sie jetzt Ihre Telefon-Leitung zum Computer ab und lesen "offroad" weiter. Vorher holen Sie sich aber noch einen doppelten Nonnsenzer Durchblick aus dem Kühlschrank (für jedes Auge einen) und legen sich ein weiches Kissen auf den harten Stuhl.

Sie werden es vielleicht nicht gleich bemerken, aber im Grunde geht es in den folgenden Geschichten um die ganz persönliche, fiktive Schmalspur-Eisenbahn des Kleinherzogs R.T. Leu von Tüünstedt und die dazugehörigen Schmalspur- Eisenbahn- Persönlichkeiten.
Weil Schmalspur- Eisenbahnen meist nur ein unbedeutend gewöhnlicher Teil ihrer Umgebung sind und selten ernst genommen werden, berichte ich Ihnen hier ausnahmsweise einmal ausführlich von der ungewöhnlichen Bedeutung der Schmalspur- Eisenbahnen im Kleinherzogtum Tüünen.
Bitte nehmen Sie das alles bloß nicht zu ernst oder gar persönlich.


IMMER DIESER NEBEL
Vor den Ufern Tüünens liegen fast immer dichte Nebelbänke. Deshalb bleibt die Insel dem unwissenden Auge der meisten vorbeifahrenden Seeleute und Küstenbesuchern verborgen. Wie auch im Jahre 1805 dem Napoleonischen Flottillen-Admiral M.Ariné. Zwar fragte er den einheimischen Lotsen: "Issa Land?", die einheimisch knappe Antwort "Tüün'n" interpretierte er jedoch falsch - zum Glück für die Tüüner. Bei der Hofratssitzung am 31. März 2005 wurde um 24:01 Uhr beschlossen, sich ab sofort unter dem alten säxischen Namen Tüünen bei der UNO als freier Staat anzumelden. Die Nonnsenzer Klosterschwestern sind deshalb mal wieder richtig sauer. Ihre Oberin sagte unserem Reporter: "Wenn diese Knacker glauben, wir würden jetzt alle alten Urkunden als Beweismittel raussuchen und nach New York schicken, irren sie gewaltig! Unser Archiv wird nicht angefasst. Dass muss allen klar sein! Also Finger weg!".
Die echten alten Tüünstedter waren allerdings begeistert und die Tüünstedter Urböcke haben sogar ganz gegen ihre Tradition am hellichten Tag einen "Tüünstedter Jubler" getanzt (der Nebel hat aber die schlimmsten Ausrutscher gnädig verdeckt).

POLITIK UND ANDERE KRIEGSFOLGEN
Vermutlich wegen des undurchsichtigen Naturphänomens Nebel wurde die Insel Tüünen noch mehrmals übersehen. Nach Beendigung des zweiten Weltkrieges zum Beispiel wurde Tüünen bei der Aufteilung des Deutschen Reiches schlicht und einfach vergessen. Peinlich, peinlich - wie man noch sehen wird.
Erst im Hochsommer 1944 wurde Tüünen "irgendwie" von Alliierten Aufklärern bemerkt. Das Frühjahr 1945 verschliefen die Tüüner vorsichtshalber. Obwohl - laut einheimischen Gerüchten - bereits im Frühsommer 45 ein zufällig im Westen Tüünens gelandetes angloamerikanisches Fish&Chips-Kommando am Waldrand südlich von Nonnsenz auf einen ebenso zufällig im Osten gelandeten sowjetischen Wodka-Spähtrupp traf, verlief das Leben auf Tüünen bis 1948 mehr oder weniger normal.
Dann aber gab es in Kontinentaldeutschland Streit zwischen den Ostalliierten und den Westalliierten und von nun an wurde jeder Versuch, Tüünen der einen oder anderen Seite anzuschließen, von allen Seiten wirksam vereitelt. Um die politisch peinliche Situation zu verschleiern, wurde die ohnehin kaum bekannte Insel Tüünen systematisch aus dem Bewusstsein der restlichen Welt getilgt. So wurde Tüünen aus allen frei käuflichen Landkarten entfernt, aus allen Fahrplänen gestrichen und jede Erwähnung Tüünens durch Diplomaten wird bis heute sorgfältig vermieden. Bis etwa 1989 überprüften alliierte Militär-Patroullien "diskret getarnt" (aber penetrant) die Neutralität der Tüüner. Selbstverständlich ist das bei den üblichen Verantwortlichen "absolut unbekannt". Die kleinen, alten Geländewagen der alliierten Militär-Patroullien wurden übrigens immer von kleinen, alten Kübelwagen der Tüüner Schutztruppe "diskret" begleitet.
Als "Begleiterscheinung" dieser merkwürdigen Verhältnisse konnte sich der langjährige Landesvater "Kleinherzog R.T. Leu von Tüünstedt" als Staatsoberhaupt der Insulaner behaupten. Er ist heute "Permanenter Erster Vorsitzender des Tüünstedter Hofrates", einer angeblich selbstbestimmten, tatsächlich aber unbeschreiblichen Verwaltung.

OLLE KLAMOTTEN
Bedingt durch die Isolierung haben sich auf Tüünen ungewöhnlich viele technische Raritäten aller Art erhalten. Zum Beispiel alte Schiffe, alte Autos, alte Motorräder, alte Flugzeuge und vor allem alte Eisenbahn-Fahrzeuge, die angeblich alle schon vor vielen Jahren verschrottet wurden. Anlass genug für diesen Bericht, denn vor allem auf den Gleisen der Tüüner Eisenbahnen "blüht ein Leben", wie es sonst nur noch in unseren Träumen vorkommt. Hier muss der Chronist einflechten, dass mit der "Wende" der Kontinentaldeutschen auch Tüüner Träume um- und durcheinander gewendet wurden. Ungereimtheiten dieses Berichtes sind unter anderem also auch auf jene Wende zurückzuführen.

SCHLEICHWEGE UND SCHMUGGELPFADE
Mit Kontinental-Deutschland ist Tüünen über eine klapprige, einspurige, kombinierte Eisenbahn-und Straßen-Drehbrücke verbunden. Bis zur Wende konnte der geringe Verkehr nur heimlich abgewickelt werden. Der Bahn- Anschluss lief wahrscheinlich über Boltenhagen und Klütz nach Grevesmühlen und dann irgendwie weiter (präzise Angaben sind dort nicht zu bekommen; niemand will jemals etwas gesehen oder gehört haben - siehe oben). Zugelassen war nach Aussage von T3-Karl (einem Tüüner Lokführer) ausschließlich Güterverkehr zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang. Zugloks sollen eine alte T3 und eine V20 der ehemaligen "Unnsiner Eisenbahn" (UE) gewesen sein.
"Öffentlicher" Personenverkehr von und nach Tüünen war lange Zeit nur möglich mit einem alten Kutter der Finkenwerder Heringsflotte. Auf Tüünen wurde dazu kurz die Seebrücke von Haartswyk angelaufen. Flugreisen waren angeblich Diplomaten und alliierten Militärs vorbehalten. Wer die Tüüner kennt, ahnt aber, dass in der Luft erheblich mehr los war und ist als man sieht. Diskret hinterm Nebel verborgen, versteht sich.
Die regelspurige Eisenbahnstrecke beschränkte sich bis zum Abbau auf etwa 15 Meilen (Tüüner Meilen!) zwischen Bahnhof "Brücke" und Tüünstedt Hauptbahnhof. Die Zahl der ehemals regelspurigen Anschluss- und Umladegleise ist nicht mehr bekannt.

DIE TÜÜNER SCHMALSPUR-EISENBAHNEN
Sehr viel mehr Bedeutung auf Tüünen hat das Netz der Schmalspur- Eisenbahnen. Ihre Geschichte ist umfangreich und recht kompliziert.
Von Beginn an empfahl Schatzkanzler Ferdinand Fernumpft die Einführung der 750mm-Spur. Aber die kostspielige Vorliebe des Kleinherzogs für exklusive 600mm-Kleinigkeiten obsiegte über die praktische Vernunft:

DIE ERSTE 600mm-STRECKE
Um 1890 ( die Angaben schwanken zwischen 1888 und 1892 ) ließ sich der damalige Kleinherzog R.T. Leu von Tüünstedt (alle Tüüner Kleinherzöge heißen übrigens so!) eine Feldbahn mit 600mm Spurweite aufbauen: Vom Bahnhof Nonnsenz der regelspurigen Eisenbahn durch den Nonnsenzer Bartwald (ein Rest dieses Gleises wird bis heute zur Holzabfuhr vom Nonnsenzer Förster benutzt) bis zum Kleinherzoglichen Jagdpavillon am Rande der Tüüner Südheide.

ERFOLG MACHT APPETIT AUF MEHR
Kurz nach der Fertigstellung dieser ersten Tüüner Schmalspurstrecke wurde auf Anregung des euphorischen Kleinherzogs und Beteiligung mehrerer Hotelbesitzer, Industrieller, Intellektueller, Prominenter und Gutsherren die "Nonnsenzer Kleinbahn Aktien Kompagnie" gegründet. Der Kleinherzog brachte die bestehende Strecke und die schon vorhandenen Betriebsmittel in die neue Gesellschaft ein. Die "NKB" erhielt in ihrer Satzung den anspruchsvollen Auftrag, "zum Nutzen des Landes und des Volkes von Tüünen Schmalspur-Eisenbahnen zu jedwedem notwendigen Platze zu erbauen und sorgfältig zu erhalten". Sparsamkeit wurde nicht verlangt!

SCHMALSPUR ALLERORTEN
Sogleich wurden allerlei technische Normen für Gleise und Fahrzeuge entwickelt. Anregungen dafür gaben die Erfahrungen der kontinentaldeutschen Firma Lenz mit 600mm-Spur-Eisenbahnen sowie die neuen preußischen Kleinbahn-Gesetze (nicht zu vergessen die interkontinentalen, militärwirtschaftlichen Interessen des Tüünstedterer "Druff-Clans").
Die allgemeine Begeisterung für die preiswert und schnell zu erstellenden Schmalspurbahnen sowie der wirtschaftliche Erfolg der ersten Betriebsjahre führte binnen kurzem zu einer Ausdehnung des Kleinbahn-Netzes weit über den Ort Nonnsenz hinaus. An das alte Stammgleis angeschlossen wurde noch im Bahnhof "Nonnsenz" ein neues Gleis nach Osten. Es verläuft zuerst am Südufer des Oberteiches, begleitet dann den Bartweg nach Süden bis zur "Bartweiche" und wendet sich nach Osten bis zum Bahnhof "Haarspalt". Hier wurde das erste, für Tüünen so typische Gleisdreieck angelegt. Ein Gleisstummel nach Norden in Richtung General-Druff-Kaserne wurde vorsorglich sofort mit angelegt. Die Strecke läuft nun weiter nach Südwesten (Anschluss Ackermann), dann nach Südosten bis Fischerhude (heute wird der Name "Syntbad-Ost" bevorzugt). Hier schließt ein Gleis zur abgelegenen Fischfabrik Härinks an. Das Streckengleis begleitet nun noch einige Meilen die Südküste und endet in Syntbad (angeblich früher einmal die Heimat eines legendären Nautikers).

SCHMALSPUR-GEHEIMNIS
Während am Gleis nach Syntbad noch eifrig gestopft wurde, begann die 1. Kleinherzogtümliche Pioniergruppe selbst mit dem Bau der Strecke vom Gleisdreieck Haarspalt zum extra angelegten Bahnhof "Kleinbahn-Tor", dann am Rande des Übungsgeländes weiter zu den Kasernen und am Ufer entlang nach Norden zu den Artillerie-Ständen. Selbstverständlich sind die Gleisanlagen des Militärgeländes streng geheim und alle obigen Angaben streng vertraulich. Wer sich trotzdem intensiver mit Tüüner Örtlichkeiten vertraut machen möchte, sollte sich die mehr oder weniger vertrauenswürdigen Kunstwerke der "Unnsiner Topographischen Manufaktur" (UTM) besorgen und sorgfältig unter die Lupe nehmen (siehe auch Landkarte von Tüünen).

JÄGERLATEIN
Noch im selben Jahr erhielten auch der "Runkel-Hof" an der Südwest-Ecke des Bartwaldes, die "Obermühle" bei Nonnsenz und die "Säge" am Stauwehr des Unterteiches Anschlussgleise. Die Strecke zur Sägemühle wurde schon ein Jahr später an das Nordufer des Unterteiches verlegt, weil der weiche Boden des sumpfigen Südufers die schwer mit Stämmem beladenen Holzloren nicht ertrug.
Immerhin konnte sich der Kleinherzog einen Gleisstummel bis zu seiner geliebten "Moorhuhn-Hütte" erhalten, den er dann auch waidlich nutzte. Zumeist im Frühherbst steht hier - damals wie heute - tagelang des Kleinherzogs privater Salonwagen. Manchmal, wenn der Kleinherzog allein auf die Pirsch geht, lässt er sich auch im kleinen, zweiachsigen Jagdwagen dort hinfahren. Der ist vortrefflich mit Gewehrständer, Verbandskasten, Kanonenofen und einem weich gepolsterten Ruhelager ausgerüstet.

ENDLICH: SCHMALSPUR VON NONNSENZ NACH TÜÜNSTEDT
Nach einem außerordentlich bissigen Kommentar des Freifräuleins Mausi von Raub in der vielgelesenen Tüünstedter Landesgazette, betreffend den einzigen, ständig überfüllten, rumpelnden Holzklasse-Personenwagen der ehemaligen Unnsiner Eisenbahn sowie die unpünktlichen, unbequemen und vor allem unsicheren Kutschen des Nonnsenzer Klosterhofes, beauftragte der Kleinherzog seine bereits bewährte 1. Kleinherzogliche Pioniergruppe mit dem unverzüglichen Bau einer auch anspruchsvollen Reisenden genügenden Schmalspur-Eisenbahnstrecke von Unterteich nach Tüünstedt.
Nun bewies sich wieder einmal der großartige Tüüner Gemeinschaftsgeist, der zu ungeahnter Hochform aufläuft, wenn es um die Wünsche schöner Damen geht. Die Pioniere begannen sofort, wie alarmiert, mit allen notwendigen Arbeiten. Wegen des beträchtlichen Arbeitsumfanges, des selbstauferlegten Zeitdruckes und des üblichen Proporzes wurden dann aber auch zivile Baufirmen verpflichtet.
Ab Unterteich folgt das neue Gleis dem Osthang der "Nees", zur Seite den alten Tüüner Postweg und das Flüsschen "Nonn". Hinter der Wege-Gabelung bei "Susannenbad" begleitet die Bahn das zauberhafte Ufer des Brauensees, kreuzt noch zweimal den Postweg und erreicht dann Tüünstedt. Wegen des für eine 600mm-Schmalspurbahn ungewöhnlich schweren Oberbaues nörgelte Schatzkanzler Ferdinand Fernumpft noch jahrelang herum. Er hätte viel lieber gleich eine von ihm bevorzugte 750mm-Bahn angelegt.
Der Kleinbahnhof "Tüünstedt" liegt nordöstlich des alten Stadtkernes am Rand der Au-Wiesen. Beim Bau des Bahnhofes wurde sogleich auch eine Verlängerung nach Norden angelegt. Ein Anschlussgleis verläuft über die Schlossbrücke in den Schlossgarten und endet in dem privaten kleinherzoglichen Schlossbahnhof (mit eigenem Schloss-Lokschuppen).

40 SCHWELLEN WESTWÄRTS
Mittlerweile war man natürlich auch in anderen Teilen Tüünens auf die Schmalspurbahnen aufmerksam geworden. Im Westen liegt die Tüüner "Narreih". Sie ist eigentlich eine Halbinsel, die durch den Tüüner Bodden von der Hauptinsel getrennt wird. Nur im Norden ist die "Narreih" über die unzugänglichen Haartsberge mit dem eigentlichen Tüünen verbunden. Seit altersher wohnt hier ein besonders eigenwilliger, unberechenbarer, manchmal aufsässiger, aber immer sehr aktiver Menschenschlag.
Der im Norden der Narreih auf Kullerland in seinem Kuller-Gut lebende Freiherr Karl von Kuller, sowie mehrere Hofbesitzer und einige Handwerksbetriebe erstrebten mit einer Petition beim Kleinherzog eine neues leistungsfähigeres Fährschiff für den Tüüner Bodden. Die alte "Tüüner Kwien" von Kapitän B.O.Gart war inzwischen gar zu klein und klapprig. Für eine Schmalspurbahn wollten die Narreiher dann schon selbst Sorge tragen.
Der Kleinherzog unterstützte das Vorhaben wohlwollend und sorgte dafür, dass auch die TüKB (damals noch "Nonnsenzer Kleinbahn") auf der Narreih mit ins Spiel kam. Schnell wurde vom Bahnhof "Nonnsenz" ein Gleis nach Westen gebaut. Dabei wurde kurz hinter Nonnsenz die Trasse mitten zwischen zwei markanten Hügelgräbern (den "Twee Tidden") hindurchgeführt, was später noch ungeahnte Folgen für die kulturelle Entwicklung und das Selbstverständnis der Tüüner haben sollte. Weiter verläuft das Gleis dann entlang des alten Fährweges nach Westen bis zur "Narreih-Fähre". Mit finanzieller Beteiligung eines damals noch jungen Mineralöl-Betriebes wurde an beiden Ufern an Stelle der alten Slips aufwendige Anleger für ein kleines Eisenbahn-Trajekt errichtet.

AKKORD UND SCHNAPS
Die begeisterten Narreiher sorgten nun, wie versprochen, selbst für die weiteren Gleisanschlüsse zu ihren Betrieben. Die TüKB (damals noch NKB) stellte Berater zur Verfügung, baute auf eigene Rechnung einige "strategische Gleise" und besetzte damit wichtige Schlüsselpositionen. Die Narreiher waren aber trotzdem glücklich über die "modernen Zeiten". Freiherr Karl von Kuller stellte sogar im Sommer 99 seine Landarbeiter für den Bahnbau nach Norden ab. Um sein "Kuller-Gut" und das "Kieswerk Kuller" so schnell wie möglich an das Eisenbahn- Netz anzuschließen, hatte Freiherr von Kuller seinen 33 Arbeitern 66 Flaschen "Kuller-Schluck" für jede innerhalb eines Tages fertiggestellte Meile Gleis versprochen. Das wirkte. So wurde innerhalb von 11 Tagen nicht nur das Streckengleis bis zur "Ohr-Weiche" fertig, sondern auch noch 22 Nebengleise verlegt. Neun Monate später wurden dann auch noch von 44 Narreiherinnen 55 Kinder geboren. Bis heute weiß jeder gebildete Narreiher, was sich hinter dem Begriff "Schnapszahl" verbirgt.

RÜBEN, KIES UND ÖL
Zur Rübensaison 99 konnte die TüKB (damals noch NKB) bereits den größten Teil der Zuckerrüben-Transporte zur Zuckerfabrik "S.Ü.Stoph" übernehmen. Auch der metallverarbeitende Betrieb von "Ohrenpein & Krabbel", der Milch- und Käsefabrikant "Friedrich Fettich" und "Schälls Petroleum-Lager" nutzten sofort das damals moderne Transportmittel Schmalspurbahn.
Das Gleis-System an der "Muschelbucht" wurde im Laufe der Jahre häufig umgebaut und immer unübersichtlicher. Eine wirklich genaue Darstellung ist zur Zeit nicht zu erhalten. Bekannt ist aber, dass der Leuchtturm am Sund schon 1905 eine Lieferung Petroleum mit "der Nonnsenzer Kleinbahn bis vor die Tür" erhalten hat. Folglich muss das Gleis bis hierher fertig gewesen sein.
Auch die in den zwanziger Jahren gegründete "SBZ-Manufaktur für Rundfunk-Apparaturen" der Herren Sebastian Schrill, Benno Brumm und D. Ziehbel hatte nachweislich schon in den "Dreißigern" einen Gleisanschluss. Ihr mit einer voluminösen Verstärker-Anlage ausgerüsteter, vierachsiger "Musik-Wagen" (ex HFB-Mannschaftswagen, ex MPSB-Fakultativwagen, ex NKB-Werkstatt-Wagen) ist heute Mittelpunkt der allgemein beliebten Kleinherzogtümlich Tüünstedter Freiluft-Konzerte.

ANSCHAFFEN, BESITZEN, BENUTZEN, VERKAUFEN
Bisher wurde nur wenig über den Fahrzeugpark der Tüünstedter Kleinbahn erzählt. Mit gutem Grund, denn die Geschichte ist mindestens genauso verwirrend wie die mittlerweile bekannte Entwicklung des TüKB-Streckennetzes.
Im Rausch der ersten, erfolgreichen 600mm-Schmalspur-Jahre kaufte der Kleinherzog in aller Welt Fahrzeuge für diese Spurweite ein (entgegen dem Rat von Schatzkanzler F.Fernumpft, der damals wie heute hartnäckig die Vorteile der 750mm-Spur anpries). Aber der Kleinherzog hatte eben immer schon eine Vorliebe für kostbare und seltene Kleinigkeiten!
Auf Tüünen wurden von nun an still und leise viele als "verschrottet", "verschollen" oder "an Unbekannt verkauft" gemeldete Lokomotiven, Triebwagen und Wagen gesammelt. Darunter vormals kontinentaldeutsche Fahrzeuge der MPSB und WEM, britisches 2-Fuß-Material und eine beachtliche Sammlung nordamerikanischer 2-Fuß-Züge aus Maine und Umgebung (2 amerikanische Fuß entsprechen ungefähr 610 kontinentaldeutschen Millimetern).

KAUFRAUSCH
Bei der Beschaffung vieler dieser Fahrzeuge hatte die Schmalspurwerkstatt von Maximilian H. Eigl (südliches Kontinentaldeutschland) die Finger im Spiel. Schon die erste NKB-Dampflok (ein kleiner B-Kuppler) stammte aus seiner Werkstatt und bildete den Grundstock für eine jahrelange, erfolgreiche Zusammenarbeit.
Auch Fahrzeuge anderer schmaler Spuren waren zeitweilig auf Tüünen zu sehen. Versuchsweise wurden amerikanische 3-Fuß Shay-, Heisler- und Climax-Dampfloks vor Holzzügen eingesetzt und auch eine zweiachsige Baldwin-Diesellok (#50) war kurze Zeit auf Tüüner Testgleisen in Betrieb. Mehrere britische Lokomotiven kamen zerlegt in Tüünen an und warten bis heute darauf, von Fachleuten richtig zusammengesetzt zu werden.
Wie sagt doch der Tüünstedter Volksmund so schön: "Kommt Zeit, kommt Tat".
Ferdinand Fernumpft schaffte es kurzzeitig sogar, den Kleinherzog zum Ausprobieren einer sächsischen 750mm-Zuggarnitur zu bewegen (eine VIK, je ein vierachsiger Personen- und Güterwagen sowie ein Rollwagen). Der Kleinherzog bevorzugte jedoch weiterhin seine kostspieligen 600mm-Kleinigkeiten und so wurden die sächsischen Fahrzeuge schnell in der Schweiz gegen einige amerikanische 2-Fuß-Fahrzeuge eingetauscht.

HEIMARBEIT
Zur gleichen Zeit begann auch Ohrenpein & Krabbel mit ersten eigenen Fahrzeug-Entwürfen für 600mm-Schmalspurbahnen in Erscheinung zu treten, darunter jener legendäre zweiachsige Jagdwagen des Kleinherzogs, der so vortrefflich mit Gewehrständer, Verbandskasten, Kanonenofen, Schnapsspind und traumhaft weich gepolstertem Sessel ausgerüstet ist.

LANGJÄHRIGE EINKAUFSQUELLE
Maximilian H. Eigl (südliches Kontinentaldeutschland) baute und vermittelte dem Kleinherzog einen recht umfangreichen Fahrzeugpark. Auf den TüKB-Gleisen fuhren unter anderem die große ehemalige MPSB-Dampflok, Jung-, Deutz- und Diema- Dieselloks. Begeistert waren die TüKB-Lokmannschaften auch von einer kleinen, amerikanischen Baldwin 0-4-2 Dampflok. Sie wurde in Japan gekauft, bei Maximilian H. Eigl aufgearbeitet und war auf Tüünen der ganze Stolz der Holzfäller Hagen Stummpf und Siegfried Stiehl. Mit passenden Holzloren amerikanischer Bauart vermittelte sie den Tüüner Träumern einen Hauch vom großen, weiten Westen.
Auch mehrere Personen-, Fakultativ- und Güterwagen der ehemaligen MPSB sowie die allseits beliebten und begehrten Brigadewagen der Wald-Eisenbahn-Muskau (WEM) lieferte Maximilian H. Eigl nach Tüünen. Und nicht zu vergessen die populäre, vierfach gekuppelte Dampflok "DIANA". Ihre Liebhaber bekommen immer wieder feuchte Augen beim Anblick ihres filigranen Gestänges.
Nicht vergessen werden sollen die unterschiedlichsten Loren-Typen, die auf einer Schmalspurbahn mit so starkem Feldbahn-Einschlag auch anzutreffen sind: Kipp-Loren, Drehschemel-Loren, Torf-Loren, Stirnbord-Loren, Flachwagen, Tankwagen etc. Die Schmalspur-Werkstatt von Maximilian H. Eigl war wirklich fleißig.

ALTERNATIVE SCHMALSPUR-FABRIKANTEN
Aber auch andere Lieferanten waren am Aufbau des TüKB-Fahrzeug-Parkes beteiligt: aus dem Ruhrgebiet kam schon recht früh eine kleine Jung-Diesellok, aus Kiel dann Jahre später eine größere Jung-Diesellok. Die Göttinger "JW-MANUFAKTUR" lieferte einen ganz entzückenden "Hatlapa"-Schienenkuli nach Tüünen und später noch eine Deutz OMZ122. Das inselansässige Ohrenpein & Krabbel Werk fertigte u.a. einen recht rustikalen Klein-Triebwagen (man könnte ihn auch als Draisine bezeichnen). Und in der Tüünstedter-Lok- und Wagen-Werkstatt entstanden diverse Loren, die zumeist für die Holz-Abfuhr gedacht waren.
In Dresden wurde bei der "Hans Nitzschke-Feldbahn- und Traktoren-Werkstatt" eine Ns2f- (#44) für Tüünen gekauft. Diese Lokomotive begeisterte die TüKB-Mannschaft. Eine in Frankreich günstig organisierte Diesellok des Typs O&K-MD2 hat dagegen keine Begeisterung bei den Kleinbahnern ausgelöst. Nach einer ersten gründlichen Betrachtung landete sie wieder in ihrer Kiste und harrt neben einigen britischen Loks ihres Schicksales.
Fast schon vergessen ist eine kleine, dreiachsige "Arthur Koppel"-Dampflok mit 750mm Spurweite. Sie war vor vielen Jahren aus Japan (!) reimportiert worden. Maximilian H. Eigl sollte sie eigentlich mal für 600mm Spurweite umbauen, aber irgendwie klappte das nicht so wie geplant. Folglich stand sie bildschön, aber fußlahm in der Tüünstedter Ausstellung herum. "Sie hat's an den Rädern", sagte Meister Schraubär.
Auf Restbeständen früherer Ost-Kontinentaldeutscher Lokomotiven-Chassis entstanden bei Ohrenpein+ Krabbel zwei ungewöhnliche 600mm-Loks mit einem recht rustikalen Elektro-Antrieb. Die Fahreigenschaften dieser beiden Loks waren zwar ziemlich ruppig, aber dafür liefen sie zuverlässig im Dauerbetrieb.

KRISEN UND ANDERE REVOLUTIONEN
Diese Fahrzeuge hielten sich auf der Kleinbahn bis zum Anfang der neunziger Jahre. Die Folgen der kontinentaldeutschen Wendegeschichte sowie eine gleichzeitige, dramatische und weltweite Umstellung verschiedener, für den Kleinherzog außerordentlich bedeutender Gestaltungs-Technologien hatten für Tüünen fatale Auswirkungen. In einer spontanen "Krisenbewältigungsaktion" verscherbelte der Kleinherzog den begehrtesten Teil der Fahrzeugsammlung an Doktor Kurzhaar in Kontinentaldeutschland, einem prominenten Medizinmann mit Durchblick.
Weitere Fahrzeuge wurden an weitere kontinentaldeutsche Schmalspur- Aufkäufer vertrieben. Mittlerweile sind die meisten dieser ehemaligen NKB-Fahrzeuge weit über das kontinentaldeutsche Staatsgebiet verstreut.
Ein dunkler Schatten schien sich auf Tüünen zu legen und die Schmalspurbahner verfielen in undurchsichtige Depressionen. Doch wo Schatten ist, muss folgerichtig auch Licht sein: es blieben ja noch die amerikanischen Fahrzeuge, die Tüünstedter Eigenbauten und einige andere Triebfahrzeuge. Die mussten erst einmal für das Überleben der Kleinbahn ausreichen.

RADIKALE BESCHLÜSSE
Und dann, ganz plötzlich und spontan geplant kam der alles verändernde Hofratsbeschluss zur generellen Einführung der 750 mm Spurweite und die Übernahme aller Tüüner Eisenbahn-Anlagen durch die "Tüünstedter Kleinbahn" (TüKB).





PAUSE
Diverse Neuigkeiten, Gerüchte und Vermutungen um die Tüünstedter Kleinbahn und die bisher noch nicht aufgeklärten Gebiete Tüünens werden gerade in der Küche aufbereitet. Bis zur Veröffentlichung sollten Sie genauso vorsichtig durch den Küstennebel tappsen wie echte Tüüner. Sonst gibt's blaue Flecken und Heftpflaster.

Ach, diese prächtigen Tüünstedter Krankenschwestern !

JETZT ERSTMAL GANZ SCHNELL ZUM KÜHLSCHRANK
denn gleich nach der Pause wird gnadenlos weiter erzählt, was das Zeug hält!



ALLES KLAR ?
Zumindest der Himmel über Tüünstedt ist wieder klarer geworden. Der Küstennebel hat sich vor die Küste zurückgezogen, Ed Zetera hat ergänzende Einzelheiten über Tüünen und seine Schmalspurbahnen zusammengetragen und unser bewährter kleinherzogtümlicher Hofberichterstatter Rollo von Tüünstedt bringt das alles wieder in seinem gefürchteten Schreibstil zu Papier. Wir danken bei dieser Gelegenheit der Papier-Produzentin Paula Plaanow für die großzügige Lieferung feinsten Papieres. Paula lässt sich wirklich nicht lumpen!
Sie haben inzwischen Ihre Zeit genutzt und sich mit den bisher gelesenen Geschichten zu Ihrem und unserem Wohlgefallen ausgiebig beschäftigt? Gut, denn jetzt benötigen Sie Ihr neues Wissen, damit sich der Chronist nicht andauernd wiederholen muss (obwohl er gerade das natürlich am liebsten macht). Und vergessen Sie nicht, immer schön artig die einzig wahre Zeitung zu lesen: die "Tüünstedter Landesgazette" - vereinigt mit NNN - den "Neuesten Nonnsenzer Nachrichten"! Da gibt's keine ungeschminkten Wahrheiten, sondern das, was Sie wirklich lesen wollen: Gerüchte, Intrigen, Unterstellungen und Vermutungen direkt aus dem prallen Tüünstedter Alltag!

HOFRATSBESCHLUSS
Kaum waren die gefragtesten Fahrzeuge fort, ersuchte der Tüüner Schatzkanzler Ferdinand Fernumpft den Tüüner Kleinherzog R.T. Leu von Tüünstedt um eine Hofratssitzung wegen der fragwürdigen Zukunft der regelspurigen Unnsiner Eisenbahn wie auch der schmalspurigen Nonnsenzer Kleinbahn.
Mit erhobenem rechten (!) Zeigefinger wies er (wie schon seine Vorfahren) den versammelten Hofrat, bestehend aus dem Kleinherzog, dem kleinherzogtümlichen Hofberichterstatter Rollo von Tüünstedt, Rocky Radab, ihm selbst und noch einigen, die gerade da waren, wieder einmal auf die vielfältigen Vorzüge des 750mm-Schmalspur-Systems hin.
Stolz präsentierte er einen schon seit einiger Zeit in seinem Besitz befindlichen Wismarer Schienenbus und stellte ihn großzügig (oder scheinheilig?) der Kleinbahn zur Verfügung. Außerdem zeigte er dem Hofrat ein preislich kaum zu schlagendes Angebot eines kontinentaldeutschen Schmalspurbahn-Anbieters aus Nürnberg-Fleischmann. Dessen alpin-österreichisch anmutende, zweiachsige kleine Dampfloks sowie ziemlich kurze, ebenfalls alpin-österreichisch anmutende Personen- und Güterwagen könnten 750mm-Gleise auf Tüünen und dem Rest der Welt befahren.
Der Kleinherzog gab sich geschlagen. Bei einem solchen Angebot konnte auch er wohl nicht mehr mit seiner sonst immer tolerierten Vorliebe für extravagante "ferroviophile Präziosen" argumentieren oder auf sein erhofftes Glück im Casino verweisen.

RADIKAL ANDERS - ODER DOCH NUR ETWAS ANDERS ?
Der alles verändernde Hofratsbeschluss zur generellen Einführung der 750 mm Spurweite und die Übernahme aller Tüüner Eisenbahn-Anlagen durch die "Tüünstedter Kleinbahn" (TüKB) kam für die Tüüner Bevölkerung und viele kontinentaldeutsche Freunde des Kleinherzogs natürlich ziemlich überraschend. Eines allerdings war klar: auch weiterhin würde das vorherrschende Transportmittel auf Tüünen eine Schmalspurbahn sein !

NEUER NAME, NEUES GLÜCK
Kurz und schmerzlos wurden die Unnsiner Eisenbahn und die Nonnsenzer Kleinbahn liquidiert und ihr Besitz der neu gegründeten "Tüünstedter Kleinbahn" (TüKB) übereignet. Das Umspuren des alten Gleisnetzes dauerte dagegen erheblich länger. Richtig fertig damit sind die Tüünstedter Kleinbahner bis heute noch nicht.

AUSVERKAUF DER 600mm-RESTE
Der Hofrat war sich einig, nun auch die letzten amerikanischen 2-Fuß-Fahrzeuge zu verkaufen, was sich allerdings als sehr schwierig erwies. Noch 2009 stehen die schönsten amerikanischen 2-Fuß-Fahrzeuge auf Tüünstedter Abstellgleisen rum, weil auch die möglichen amerikanischen Käufer seit Jahren am "No-Money-Phänomen" leiden.

LOHN DER ANGST
Nach langer Zeit hatte die nüchterne Vernunft sich nun scheinbar durchgesetzt. Klugerweise überließ Schatzkanzler F. Fernumpft die jetzt folgende Organisation der Umrüstungsaktion auf 750mm-Spurweite dem Kleinherzog. So konnte der sich mit dem neuen Material anfreunden und seinen ungebrochenen Spieltrieb auch weiterhin ausleben. Schatzkanzler F. Fernumpft versuchte derweil, gefährliche außenpolitische Klippen zu umschiffen und die Konsolidierung des Tüüner Staatshaushaltes zu erreichen.

NEUE FAHRZEUGE FÜR 750mm SPURWEITE
Der von Schatzkanzler Fernumpft präsentierte Wismarer Schienenbus war nicht das erste 750mm Schmalspurfahrzeug auf Tüünen. Wir erinnern uns an den sächsischen "Versuchs-Zug". In seiner Rede vor dem Tüüner Hofrat wies der Schatzkanzler auch auf die trotz kontinentalstaatlicher Dominanz immer noch überlebende 750mm-Schmalspurbahn einer verwandten, etwas weiter östlich gelegenen Insel hin. Und er erinnerte die schon einmal außer Landes gewesenen Ratsmitglieder an den rührseligen Charme verschiedener alpin-österreichischer Schmalspurbahnen.
Der weitgereiste Rocky Radab (Ja ja - auch er ist ein Tüünstedter Hofratsmitglied!) erinnerte sich seufzend der süßen Schaffnerin vom Zillertal und diverser, äußerst schmackhafter Getränke im steyrischen Flascherl-Zug und war schnell überzeugt. Sein Vorschlag, in jedem Zug Kaiserschmarrn anzubieten, wurde wegen "logistischer Schwierigkeiten" allerdings nicht angenommen.
Kleinherzog R.T. Leu von Tüünstedt erinnerte sich aber ebenfalls seufzend an Kaiserschmarrn und andere Süßigkeiten im Zillertal und beschloss heimlich: Wenn schon 750mm-Schmalspurbahnen, dann muss unbedingt auch ein "Triebwagen" für süße Sachen mitfahren. Gloria und Granata würden das schon irgendwie in den Griff bekommen!

FRISCHER ELAN
Als Ersatz für die vorerst fehlenden Dampfloks sollten möglichst kurzfristig kleine Dieselloks beschafft werden. Der Betrieb des weitverzweigten, landwirtschaftlich genutzten Feldbahn-Netzes (dass ja ebenfalls so schnell wie möglich umgespurt werden musste) musste schließlich aufrecht erhalten werden. Wenn sich Tüünstedter jedoch erst einmal zu etwas entschlossen haben, dann wird es auch energisch in Angriff genommen. Solange die Begeisterung vorhält oder bis der Zimmer-Service anklopft und die süßen Sachen anbietet.
Sofort wurde also Werkstattmeister Schraubär beauftragt, von den angebotenen "750mm- Schmalspur- Fahrzeugen mit alpin- österreichischer Anmutung" eine ausreichende Stückzahl von Lokomotiven, Personenwagen und Güterwagen für die Tüünstedter Kleinbahn zu beschaffen. Das gelang ihm auch in angemessen kurzer Frist.

ALTE FACHKENNTNISSE
Beim Anblick der vielen neuen Weichen und der vielen neuen Fahrzeuge standen dem alten Oberweichensteller Rudi Rumm die Haare zu Berge. Inmitten seiner Mannschaft stammelte er mit zitternder Stimme etwas von "völlig neuem Ausbildungs-Material", "Ein Leben lang umsonst gelernt" und "Wenn das man bloß gut geht". Er merkte nicht einmal, dass seine Lehrlinge ihm zum Trost einen Schluck von Petra Phusels "Hochprozentigem" einschenkten. Den hätte er normalerweise nie getrunken, bestenfalls verschenkt!
Nichtsdestotrotz wurden schon mal erste Probefahrten mit den neuen 750mm-Fahrzeugen durchgeführt. Die Tüünstedter Lokführer maulten zwar etwas von "Schleudertrauma" und "Viel zu schnell", brachten ihre Züge aber totzdem ohne Unfall über die Teststrecke. Nun wird im Tüünstedter Lokschuppen heftig überlegt, wie wohl die Fahreigenschaften der neuen Lokomotiven am einfachsten zu verbessern sind.

DAMPF-AROMA UND DIESEL-DUFT
Die Tüünstedter Kleinbahn verfügt zur Zeit (das ist natürlich jetzt und nicht morgen oder gestern, oder wann immer Sie diese Chronik lesen !) für die 750mm-Spur über den bereits erwähnten Wismarer Schienenbus (bei dem ein gewisser "Herr Hänke" - eindeutig kein Unnsiner - seine Finger im Spiel hatte).
Desweiteren über mehrere Krauss-Bnt-Loks sowie mehrere Deutz-Dieselloks, die es irgendwie mal von Holland in die Alpen verschlagen hatte (Hersteller dieser Loks ist das erwähnte Werk in Nürnberg-Fleischmann).
Zwei Minex-JUNG-Dieselloks mit ganz exzellentem Antrieb, die demnächst als
"Tüünstedter Krokodil" schwere Rübenzüge ziehen sollen.
Eine SCHÖMA-Diesellok aus dem alpinen ROCO-Werk, die ebenfalls umgespurt werden musste und dabei auch einen exzellenten Antrieb erhielt.
Eine kleine ungarische C50 (von BELA-Budapest) hat sich trotz rauher Fahrweise ins Herz der Kleinbahner geschlichen.
Besonders kleine Loks sind eine Austro-Daimler-Lok mit absenkbarem Deckeldach und eine HF50-Lok (ursprünglich von der deutschen Wehrmacht geordert und später in Göttingen rundherum exzellent manufaktiert).
An Dampfloks gibt es noch eine dreiachsige Lok Göppinger Märklin-Bauart und eine nicht genau definierbare Kasten-Dampflok mit Krauss/Flm-Innereien. Auf dem Umweg über das Rheinland fand sogar eine sächsische Meyer-Lok den Weg nach Tüünstedt.
Ganz frisch dabei sind mehrere amerikanische Loks mit Tüünstedter Spurweite: zwei kleine Plantagen-Loks sowie eine herrlich anzuschauende SHAY-Dampflok sowie eine CLIMAX-Lok (die werden sicher vorwiegend in den Tüüner Wäldern eingesetzt). Direkt vom Broadway haben die Tüünstedter Kleinbahner noch eine weitere amerikanische Lok erworben: eine ziemlich große C16 mit einem für Tüüner Verhältnisse beachtlich großen Tender, sowie eine noch größere K27 aus dem Gebirge zwischen Denver und dem Rio Grande. Ein Mordsding! Die TüKB-Männer haben lange überlegt, wie diese beiden Loks sinnvoll eingesetzt werden können. 2008 wurde die K27 dann aber doch wieder verkauft. Sie war einfach zu groß und zu schwer für TüKB-Verhältnisse. Statt dessen gelang es dem Kleinherzog, eine sehr seltene
1-E-1 Heeresfeldbahn-Schlepptenderlok zu beschaffen. Sie ist ständig im Lokschuppen von Schloss Rolloburg stationiert und wird für repräsentative Sonderfahrten bereitgehalten
Für spontane Fahrten mit kleineren Wagen wurden zwei zierliche US-Dieselloks der Firma Bachmann-DAVENPORT beschafft. Auch sie können gegebenenfalls Rücken an Rücken als "Krokodil" eingesetzt werden.
Auch weitere Triebwagen wurden beschafft: ganzer Stolz des Freiherzogs war eine Zeit lang der SKGLB-Motor-Triebwagen Tcm 672 mit Holzvergaser, der früher mal auf der Salzkammergut-Lokalbahn verkehrte ( das ist jener Triebwagen, den auch Gloria und Granata so richtig "süß" finden ). Bei der Beschaffung half der Wiener Schmalspur-Agent Erich Kröss. Im Frühjahr 2007 wurde dieser Triebwagen allerdings doch in die Schweiz verkauft. Für den praktischen Alltagsbetrieb gibt es einen Motor- und Getriebeseitig verbesserten VT303, während ein ex Plettenberger AHA-Triebwagen zeitweilig mit einem fabrikneuen Drehgestellschaden im Schuppen stand. 2007 verkauft, soll er später auf einer Bahn in Thüringen eingesetzt worden sein.
Ein aus Bajuwarien importierter Draisinen-Triebwagen T46 (ex Hamburger Draisinenbau) hat sich dagegen auf der TüKB nicht bewährt und wurde an eine ostfriesische Meterspurbahn verkauft.
Beliebt ist dagegen die kleine gelbe Draisine des alpin-österreichischen Typs KLX 614. Auch den rustikalen, in den Tüünstedter Werkstätten gebauten Kleintriebwagen mit dem markanten Ford-Kühler gibt es noch. Er wurde umgespurt, weil der Kleinherzog doch sehr an ihm hing.
Der Kleinherzog hat auch etwas von weiteren auf dem kontinentaldeutschen Markt angebotenen 750mm- Schmalspur- Lokomotiven gehört (nicht von alpin-österreichischer Anmutung !) und ist schon ganz nervös. Aber zur Zeit traut er sich nicht, seinen Schatzkanzler wegen einer Aufstockung des 750mm-Schmalspur-Etats anzusprechen. Der Tüüner Staatshaushalt ist nämlich immer noch nicht richtig konsolidiert !

WAGGONS ALLER ART
An Personenwagen stehen diverse kurze Zweiachser zur Verfügung, die den österreichischen Schmalspurbauarten sehr ähnlich sehen. Aufgebaut und betriebsbereit ist auch ein großer, vierachsiger Weyer-Wagen einer kontinentaldeutschen Edel-Firma aus der Nähe von Bremen. Desweiteren wurden auch allerlei Personenwagen Göppinger Märklin-Bauart mit württembergischem Erscheinungsbild beschafft. Gut gebaute Personenwagen aus den östlichen Regionen Kontinentaldeutschlands dürfen selbstverständlich auch nicht fehlen, fühlen die Tüünstedter doch immer wieder eine herzliche Verbundenheit mit jener anderen Insel weiter östlich. Werkstattmeister Schraubär prüft außerdem, wie er aus typisch alpin-österreichisch anmutenden 750mm-Flachwagen typische TüKB-Personenwagen herstellen könnte.
Güterwagen kann eine Eisenbahn bekanntlich nie genug haben. Folglich verfügt auch die TüKB mittlerweile über einen "gewissen" Bestand an Güterwagen.
Offene Güterwagen überwiegen, schon wegen der beachtlichen Mengen an Rüben und Kartoffeln, die von der Schmalspurbahn direkt am Acker abgeholt werden. An Waggon-Herstellern ist die ganze Palette kontinentaldeutscher und alpiner Wagenbauer vertreten.
Der Bestand an gedeckten Güterwagen ist etwas geringer. Darunter gibt es aber auch einige "Exoten", wie zum Beispiel einen Prignitzer Milchwagen, einen sauerländischen Fakultativ-Vierachser oder einen württembergischen Dreiachser, dem allerdings mal irgendwann in Göppingen die mittlere Achse rauskonstruiert wurde.
Eine Tüünstedter Besonderheit ist die Akzeptanz von 20'-Containern auf einer 750mm-Schmalspurbahn. Nicki Störtebeeker hat nämlich festgestellt, dass diese kurzen Container nicht nur quer auf seinen Kutter passen, sondern auch genau auf alpin-österreichische Flachwagen. Wo, bitte sehr, gibt's das sonst noch ?
Vorsichtshalber wurde auch schon mal ein zerlegter alter sächsischer Rollwagen für eventuelle Normalspurwagen- Transporte beschafft. Man kann ja nie wissen was ankommt !




Rollo von Tüünstedt - Kleinherzogtümlicher Hofberichterstatter